Partizipation

Was heißt „Partizipation“?

„Partizipation (lat.) bedeutet wörtlich übersetzt Teilhabe oder Teilnahme. Partizipation wird als politischer Begriff im Sinne von Teilhabe an der Macht verwendet. Sie meint die Mitsprache des Einzelnen bei politischen Entscheidungsprozessen. Soziale Partizipation meint die Mitwirkung von Individuen beziehungsweise Gruppen an Entscheidungen, die das eigene Leben und das der Gemeinschaft betreffen.

Weil Gott den Kindern von Anfang an eine unverlierbare Würde zuspricht und Jesus Kinder in den Mittelpunkt stellt (Kindersegnung, Markus 10,13-16) haben Kinder ein Recht auf Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben, ebenso wie auf altersentsprechende Mitbestimmung und Mitentscheidung im Alltag der Kindertagesstätte. Evangelische Kindertagesstätten sind Lernorte für partizipatorische Prozesse. „Kinder werden als Expertinnen und Experten in eigener Sache gesehen. Ziele sind unter anderem die Entwicklung von sozialen Kompetenzen, die Einübung demokratischer Verhaltensweisen und die Entwicklung zum mündigen, sprachfähigen Bürger."

(aus: Diakonie Deutschland – Kinder haben Rechte (2013))

Wie setzen wir Partizipation in unserem Kindergartenalltag um?

Die Kinder verbringen einen großen Teil ihres Tages bei uns in der Einrichtung. Uns ist es wichtig, den Alltag und das Zusammenleben gemeinsam mit den Kindern zu gestalten, sie mit einzubeziehen und teilhaben zu lassen.

Dies bedeutet aber nicht, dass die Kinder alles dürfen!

Es geht um das Recht der Kinder, ihre Meinung frei äußern zu dürfen und diese Meinung angemessen und entsprechend ihres Alters und ihrer Reife zu berücksichtigen.

Partizipation findet jedoch ihre Grenzen dort, wo das körperliche oder seelische Wohl des Kindes gefährdet wird.

Was sind unsere Ziele der Partizipation?

Durch Partizipation wollen wir erreichen, dass die Kinder

  • ihr Selbstwertgefühl steigern
  • lernen, andere Meinungen zu akzeptieren, sowie Demokratie erfahren und einüben, z.B. in der Kinderkonferenz
  • Selbstwirksamkeit erleben, indem sie erfahren, dass sie selbst etwas erreichen oder bewirken können
  • für sich und andere Verantwortung übernehmen, z.B. durch Patenschaften
  • Autonomie erleben, d.h. dass sie ihr Handeln selbst verursachen

Welche Rolle spielt unsere Haltung und unser Handeln bei der Partizipation?

Eine gelingende Partizipation ist vorallem abhängig von der Haltung und dem Handeln der Pädagoginnen. Daher ist es für uns besonders wichtig,

  • die Wünsche der Kinder wahrzunehmen
  • sie gut zu beobachten
  • zu kommunizieren und Dinge zur Sprache zu bringen
  • Entscheidungsräume abzustecken, d.h. zu schauen, ob eine Entscheidung der Kinder im pädagogischen Rahmen durchführbar ist, bzw. ob wir ihnen diese Entscheidung zutrauen und auch zumuten können
  • die Kinder in ihren Gefühlen und Bedürfnissen ernstzunehmen
  • kind- und situationsorientiert zu handeln d.h. auf jedes Kind individuell einzugehen, sowie unser Handeln je nach Situation bzw. Tagesform der Kinder gegebenfalls umzudenken
  • vorzuleben
  • uns selbst zurückzunehmen, die „Macht“ mit den Kindern zu teilen, z.B. können die Kinder bestimmen, welche Rolle wir in einer Spielsituation einnehmen